Windows XP telefonisch mit Alcatel-Lucent DECT aktivieren, ein Erfahrungsbericht

Kurz: das geht nicht. Weil man mit dem Ding nicht so ohne weiteres „makeln“ kann. Das habe ich aber erst durch diese Erfahrung – nunja – erfahren.

Ich hab’s dann letztendlich mit meinem Handy gemacht. Was auch nicht ganz ohne war, aber es hat immerhin im zweiten Versuch schon geklappt. Insgesamt habe ich geschlagene 30 Minuten mit dieser Scheissendrecks-Aktivierung verballert.

Vorsicht! Das wird eine längere Geschichte, ein gepflegter Rant schafft Luft!

Kontext

Ich bin gerade dabei, einen IPC (Industrie-PC) für den 2. Prototypen einer Maschine die ich gerade entwickle, mit der entsprechenden Soft- und Hardware zu bestücken. Ziel ist es, ein Master-Image zu erstellen, das dann später in der Produktion auf die Maschine gespielt wird. Bei einem zweiten Prototypen geht es nunmal auch darum, sich langsam Gedanken um die spätere Serienproduktion zu  machen. Die Festplatte (SSD), die da drin ist (sein wird) darf natürlich unter keinen Umständen „in Kontakt“ mit irgendeiner Datei des Quelltextes gekommen sein, wenn man die noch guten Gewissens irgendwann ausliefern will …

Die Mitstreiter

Das Telefon

Wir haben ein unternehmensweites DECT-Netz mit gut 200 Teilnehmern (auch in Übersee) mit eigener Durchwahl, integriertem unternehmensweitem Telefonbuch und Platz für ganze 12 (Zwölf) „private“ Einträge, die man nur äusserst hakelig überhaupt erstmal anlegen kann.

Die Bedienungsanleitung des Mobilteils meint dazu nur lapidar:

Konsultieren Sie die Bedienungsanleitung, um mehr über diese Funktion zu erfahren.

Die spätere Benutzung ist auch nicht so ohne, da finde ich es fast einfacher, mir die Nummern einfach zu merken; nach dem zweiten/dritten Anruf habe ich die eh abrufbereit im Kopf, mindestens zwei Wochen lang.

Das Telefonsystem ist von Alcatel-Lucent, also französisch. Ich hege eine tief verwurzelte Skepsis gegenüber der französischen Ingenieurs-Mentalität, wenn es sich um Produkte handelt, die nicht für Frankreich bestimmt sind – und selbst dann, wenn sie es sind.

Das liegt daran, dass eine Freundin aus Studienzeiten mal kurzfristig eine sogenannte Ente (2CV, „Deux chevaux“ – französisch für „2 Pferde“, ja echt!) – nunja – sozusagen, manchmal, irgendwie gefahren ist.

Das Betriebssystem

Das Betriebssystem der Wahl: Windows XP Pro („embedded“).

Windows XP for embedded Systems

„Embedded“ nennt sich das nur aus dem Grund, Microsoft die Gelegenheit zu geben, das noch 10 Jahre zu verkaufen und nicht patchen zu müssen.

Als Erstes muss natürlich dieses Windows drauf. Ja, wir bauen Maschinen in denen neuerdings ein Windows-Rechner werkelt, anders war die Rechenleistung einfach nicht zu bewerkstelligen, die das betreffende „Modul“ erfordert, aber auch dazu später mehr.

Hier nur ein paar Eckwerte:

  • der IPC verarbeitet 342 MB („echte“ Mega, also 1024*1024) an Daten pro Sekunde, Ziel sind allerdings ca. 400 MB/s
  • die Daten (Kamerabilder, vier Kameras, jeweils 230 Bilder/s à 1024 x 380) kommen über einen 4-fach Intel-GigE-Server-Adapter rein
  • es wird jedes einzelne Byte dieses Datenstroms „angefasst“, teilweise mehrfach
  • aus diesem Datenstrom wird ein kontinuierlicher „Output“ Datenstrom erzeugt, der allerdings nur noch aus ein paar KB pro Sekunde besteht, dieser wird an die Maschinensteuerung übertragen
  • der Core i7 mit 2,8 GHz ist zu 100% ausgelastet (alle 4 Cores!), sustained (also rund um die Uhr, laut letzter Logfile-Analyse knapp 6 Wochen am Stück ohne zu murren, und ja, die Software habe ich selbst programmiert)

Das Duell: Telefonische Aktivierung mit Alcatel-Lucent Mobilteil

0800/haste-nicht-gesehen anrufen.

Die erste Hürde kommt schnell:

(Frauenstimme, computergeneriert): Wenn Sie als Privatkunde Ihre Windows-Kopie aktivieren wollen, drücken Sie bitte die „1“, wenn Sie … wollen, drücken Sie bitte „X“, usw.

Ich drücke „X“.

Stille. Ich drücke die „grüne“ Taste (ich weiss auch nicht, wie ich darauf gekommen bin). Immer noch Stille.

Ich drücke die „rote“ Taste (auflegen! Versuch offensichtlich gescheitert …). Im gleichen Moment klingelt das Teil, im Display steht „Rückruf“. Also hebe ich ab (grüne Taste).

(Frauenstimme, computergeneriert): Sie verden gleich mit einem Mitarbeiter verbunden … Säusel …

(Ein Mensch, anscheinend Inder): Herzlich willkommen, blah, blah …

Ich will, wie ich auf Nachfrage seinerseits antworte, Windows XP aktivieren. Also fordert er mich auf, ihm den Code vorzulesen, den er für die Generierung des Freischalt-Codes für mich braucht.

Das sind 8 Sechsergruppen von Zahlen. Die Übermittlung von mir zu ihm ging anscheinend fehlerfrei vonstatten. Also sagte er mir, der Freischalt-Code würde automatisch angesagt, sobald ich die „#“ Taste drücken würde, schönen Dank, dass Sie Microsoft Produkte benutzen und auf Wiedersehen.

Ich also hektisch Notepad aufgemacht, um das mitzuschneiden. Das sind auch wieder 8 Gruppen von je 6 Zahlen, diesmal mit „A“ bis „H“ statt „1“ bis „8“ bezeichnet. Ich drücke „#“ und ahne es schon: Stille.

Ich lege also auf, es klingelt, Rückruf, ich hebe ab. Uff.

(Frauenstimme, computergeneriert): Gruppe A: 123…

Ich fange an mitzutippen, sechser-Gruppen kann man sich ja auch ganz gut merken, wenn nichts dazwischen kommt. Ich gucke zwischen dem Zahlen-eintippen in’s Notepad – Scheisse! Numlock vergessen.

Hektisches Einschalten desselben und die gerade vorgelesene 6-er Gruppe vergessen, waren dann eins.

(Frauenstimme …): Wenn Sie die aktuelle Gruppe wiederholen möchten, drücken Sie bitte „*“, für die nächste Gruppe drücken Sie bitte „#“ …

Mir tritt der Schweiss auf die Stirn. Ich drücke also mit zittrigen Fingern „*“ (bitte wiederholen), aber – fast so als hätte ich es geahnt:

Stille. Also überspringe ich das, was beim ersten Mal auch nicht hulf („grüne“ Taste), sondern lege gleich wieder auf.

Es klingelt, „Rückruf“, abheben – evtl. hat’s ja (wieder?) funktioniert. Uff.

(Frau): Gruppe C: 123…

Ich lege auf, das Mobilteil bleibt still.

Ich HASSE Franzosen! Ich HASSE computergenerierte Frauenstimmen. Ich HASSE Microsoft! Ich HASSE Software, die man erst (am besten im Internet) registrieren oder aktivieren muss, damit sie funktioniert! Nachdem man richtiges Geld dafür bezahlt hat. Ich HASSE sie alle!

Danke, Microsoft! Danke, Alcatel-Lucent! Sagte ich schon, dass ich Euch HASSE?

Die (Er)lösung

Ich rufe die gleiche Nummer mit meinem Handy an, tippe die 8 Sechsergruppen ein (wobei ich mich einmal verhaspele, daher die eingangs erwähnten 2 Versuche), bestätige, dass ich den Freischaltcode gerne per SMS bekommen würde und gut is‘. Die einzige Schwierigkeit bestand dann darin, nach der elenden Nummern-Tipperei auf dem Handy das gleiche dann auf dem PC machen zu müssen.

Vielleicht hat der ein oder andere schonmal bemerkt, dass auf Telefonen die Nummerntasten ganz anders (und zwar genau gespiegelt, von unten nach oben statt von oben nach unten) angeordnet sind, als auf einer PC Tastatur?

Siemens‘ Rache nennt man das.

So. Jetzt ist mir wohler. Ende der Durchsage, over and out!

, , , , , , , , , , , ,

  1. #1 von Shimapan am August 11, 2011 - 08:29

    Du bist mit deinen Beschwerden sicher nicht allein. Windows-Beschwerden gibt es wie Sand am Meer, und das völlig zu Recht. (Ich konnte damals auch nicht nur ein Lied, sondern eine ganze Arie von Windows-Problemen singen.)

    Was mich dabei wundert: Im Beklagen sind die Leute alle Weltmeister, aber tut irgend jemand etwas dagegen? Nein! Kaum einer zieht die Konsequenzen. Ohne Windows hätte man ja nichts mehr, worüber man sich beklagen könnte!

    Das ist genau so wie bei der Kirche: Auch hier gibt es häufig Klagen, gerade in letzter Zeit mit den ganzen Mißbrauchsfällen und allem, aber wirklich Konsequenzen zieht kaum einer. Die allermeisten bleiben trotz aller Proteste auch weiterhin schön brav in der Kirche und zahlen auch weiterhin schön brav ihre Kirchensteuer.

    Bei Windows ist es ganz genau so: Im Beschweren sind alle ganz groß, aber kaum einer tut wirklich etwas dagegen. Alle bleiben auch weiterhin schön brav in der Windows-Kirche und zahlen weiterhin schön brav ihre Windows-Steuer.

    Du hast doch schon einmal Rückgrat gezeigt und bist aus der Kirche ausgetreten. Wieso zeigst du nicht ein zweites Mal Rückgrat und trittst auch aus der Windows-Kirche aus? Angst davor, in die Hölle zu kommen? 😉

    Einen guten Guide für Embedded Linux findest du hier:
    http://www.linuxfordevices.com/c/a/Linux-For-Devices-Articles/Embedded-Linux-Distributions-Quick-Reference-Guide/

    Für dich wäre gerade Teil 2 sehr interessant:
    Part 2: Embedded Linux Commercial Distributions — these are Embedded Linux distributions that are maintained and supported by companies as commercial products. They offer a wide range of capabililties and target a broad assortment of markets, from high-end telecommunications infrastructure, to handheld computers, to „deeply embedded“ data acquisition and control.

    In Teil 3 gibt es dann Open Source-Lösungen. Falls man keinen speziellen Support braucht oder sich eine maßgeschneiderte Lösung selbst anfertigen will, kann man hier mal reinschauen.

    In Teil 4 gibt es noch weiterführende Infos.

  2. #2 von Yeti am August 11, 2011 - 19:11

    Danke für die ausführlichen Infos (die Links sind der Grund, dass die Freischaltung Deines Kommentars manuell gemacht werden musste), sorry für die Verzögerung!

    Aber: das ist mir alles ziemlich bekannt 😉

    Ich kenne mich mit Linux wahrscheinlich besser aus als Du! mit Windows. Ehrlich.
    Das war aber in dem Fall keine Option. Ich darf nicht allzuviel sagen, was ich da mache, aber es musste a) schnell gehen, b) benötigte einen, ich sage mal, Softwarebaustein, der nur unter Windows verfügbar war. Den es mittlerweile auch unter Linux gibt, sogar für FPGA-Hardware usw. Aber die Lizenzgebühren sind in jedem Fall gleich. Auch bei Linux.

    Ausserdem haben wir zugesagte 10 Jahre Support für das Windows, die benutzte CPU und andere Hardware. Und das ist kein „Device“ in dem Sinne. Das Gerät „schafft richtig was weg“. 400 MB/s müssen da von aussen in die Kiste rein und mehrfach angefasst werden. Ich sagte im Post wahrscheinlich schon, dass das ein Core i7 @ 2,8 Ghz, mit dem „dicken“ dreikanaligen (für den RAM) Chipsatz. Der brummt auch unter Windows jetzt schon 6 Wochen rund um die Uhr ohne Mullen und Knullen, wie der Chinese sagt. Bei ziemlich konstant 98% Prozessorauslastung. Und zwar alle.

    Ein langfristiges Ziel der Entwicklung (>3 Jahre) ist unter anderem, da auch auf Linux (oder was halt am besten passt) umzusteigen. Aber das hat erstmal keine Priorität.

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