Lungenkrebs

Nein, nicht ich. Noch nicht. Ich bin da aber realistisch. Es würde mich nicht überraschen, wenn es auch mich noch zu Lebzeiten erwischt …

Eine Bekannte (73) meiner Mum (70) hat ihr jetzt erzählt, dass sie Lungenkrebs hat. Schluck. Sie, die Bekannte, muss total ruhig und gefasst gewesen sein. „Ich habe mein Leben gehabt, ich bin alt genug“ und so. Sie will eine Chemotherapie (6 Behandlungen) ausprobieren, weil die Prognose recht positiv ist. Noch keine Metastasen. Wenn die nicht wirklich hilft oder die Nebenwirkungen nicht auszuhalten sind, „wird halt gestorben, da habe ich keine Angst vor“. Es ist aber nicht so, dass sie keine Lust mehr auf Leben hat. Sie hat sich nur damit abgefunden, dass, wenn es nicht mehr geht, es halt zuende ist. Ganz einfach.

Wow!

Und meine Mum so? „Da habe ich auch keine Angst vor, ich will nur nicht unnötig leiden“. Und ihren Angehörigen (sprich: mir) nicht zur Last fallen – natürlich unausgesprochen, aber ich weiss das.

Sterbehilfe, gar aktiv?

Die Bekannte so: „Dann wird sich meine Familie (zwei verheiratete Söhne mit ebenfalls vernünftigen Gattinnen und jeweils schon 1-2 volljährigen Kindern, also Enkeln der Bekannten) darum kümmern, dass ich nicht lange leide“. Ich weiss auch wieso die dabei kein Problem haben werden, aber das behalte ich schön für mich!

Aus diesem Anlass entwickelte sich ein längeres Gespräch zwischen mir und meiner Mum, in dem wir uns unsere Positionen zu diesem Thema nochmal gegenseitig klar gemacht (und auch erweitert) haben. Organspende-Ausweise (ohne Einschränkungen) haben wir beide schon länger; durch das Gespräch ist uns aber klar geworden, dass dringend eine Patientenverfügung für uns beide herbei muss!

Ja, wenn erforderlich sogar gegen das Gesetz!

Ich habe ihr ausserdem noch klar gemacht, dass ich bereit bin, zur Not auch Gesetze zu übertreten um ihr zu helfen und das auch von ihr gut fände. Sie meinte dazu nur „aber das ist doch selbstverständlich“!

Tod, Bewusstsein (Ich!) und …

Vor dem Tod habe ich schon lange (ich würde sagen, so ca. 45 Jahre) keine Angst mehr. Eigentlich habe ich nie Angst vor dem Tod gehabt. Ich habe da in sehr jungen Jahren schon eine recht genaue Vorstellung von „entwickelt“. Aber die machte mir keine Angst. Ich stelle mir das Totsein genauso vor, wie das noch nicht geboren sein. Schlimm war das auf jeden Fall nicht! Und ehe ich eine Vorstellung vom Tod (als Konzept und überhaupt) hatte, kann ich mich auch nicht daran erinnern, so etwas spezifisches wie Angst empfunden zu haben. Für einen Großteil dieser kurzen Zeit (mit vielleicht 6 Jahren kam mir das erste Mal das Konzept der Wiedergeburt in den Sinn, als ich mir Gedanken darüber machte, woher eigentlich mein „Ich“ stammt, und was es vorher gemacht hat und nach meinem Tod machen wird) kann ich mich sowieso an sehr wenige Empindungen überhaupt erinnern.

Kurz danach, ich war definitiv noch in der Grundschule, habe ich das mit der Wiedergeburt verworfen. Wenn mein aktuelles Ich sich nicht an sein früheres Ich erinnern kann, sollte man einfach davon ausgehen, dass es kein früheres Ich gegeben hat. Und dann wird es auch kein weiteres geben. Im Nachhinein ist mir klar geworden, dass ich damals das Konzept eines „Erhaltungssatzes“ entdeckt habe: wie kann es sein, dass eine bestimmte Anzahl „ewiger Seelen“ in immer mehr (steigende Weltbevölkerung!) sterblichen Hüllen herumwandelt? Immer mehr Ichs? Was haben die vorher alle gemacht?

Ergo: alles Kwatsch! Auch der christlich/jüdisch/islamische Schmonzes und andere Esoteriken haben mich nie wirklich interessiert, geschweige denn überzeugen können!

… Sterben

Jetzt habe ich (und meine Mum auch, seit ich ihr erklärt habe, dass es auch für mich kein wirkliches Problem ist, an „Medikamente“ zu kommen, die einen sanft einschläfern) noch ein bisschen weniger Angst vor dem Sterbeprozess an sich. Aber das wundert mich nicht. Welche Mutter, egal wie alt, würde nicht für ihren Sohn (egal wie alt ;-)) über Leichen gehen?

Aber vielleicht ändern sich ja bis dahin auch noch ein paar Gesetze dahingehend, dass leidenden Menschen, die unter Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte im Sterben liegen, ein würdevolles und leidensfreies Sterben nach eigenem Wunsch erlaubt wird. Ich bin da eigentlich recht optimistisch.

An der naheliegenden Brücke zum (Gott-sei’s-getrommelt schwindenden) Einfluss der Großkirchen gehe ich jetzt einfach mal kommentarlos vorbei.

Guten Mittag!

PS: Ich muss nicht dazu sagen, dass weder die Bekannte, noch deren ganze Familie, noch ich oder meine Mum, irgendetwas mit Glauben, Kirche oder Religion aktiv am Hut haben.

PPS: Ich habe mich zunächst nicht getraut, darüber überhaupt zu schreiben, schon gar nicht so – nunja – persönlich. Ich hätte ja statt von meiner Mum und unserer beider Bekannten auch von einer entfernten Bekannten und deren Freundin einer Freundin schreiben können. Aber das Motto von Anke Gröners Blog hat mich davon überzeugt, recht offen darüber zu schreiben.

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  1. Lungenkrebs – Update | Y371

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