Engländer und Franzosen

… oder sollte ich lieber sagen: Englisch und Französisch?

[Update wg. ein paar Typos]

Mir ist als kleines Kind (hmm, ab wann habe ich mit f Französisch-Lernen angefangen, als mein Cousin in die 5. (7.?) Klasse kam, da war ich in der 4./6.) schon aufgefallen, dass Abkürzungen, die man, wenn man, … äh, wie sag‘ ich’s?

Man nimmt sich das Akronym eines international verwendeten Begriffes, welches selbst zum Begriff geworden ist. Einmal die „internationale“* und damit auch deutsche AKü (Abkürzung). Dann setzt man die französische* hintendran. Oder umgekehrt. Und was erhält man?

Palindrome

Richtig! Ein Palindrom. Nehmen wir zum Beispiel das Nordatlantische Verteidigungs-Bündnis, landläufig (ausser in Frankreich*) NATO genannt. Das heisst auf Englisch North Atlantic Treaty Organization. Und auf Französisch natürlich Organisation du Traité de l‘Atlantique Nord (OTAN). Örks.

(*) wenn ich hier weiterhin verschiedene Begriffe wie „englisch“, „international“, „französisch“ wild durcheinander benutze, ist damit immer der in jenen Zungen redende Teil der Weltbevölkerung gemeint, nicht nur „England“ oder „Frankreich“!

Gibt aber einiges für den Titel einer Fantasy-Figur oder -Geschichte her, finde ich:

NATOOTAN bzw. OTANNATO

Was auch direkt auffällt, ist der hohe Anteil an (IMHO unnötigen) Füllwörtern bzw. deren apostrophierte „Verkürzung“. Der französische Satz enthält gleich zwei davon – bzw. eigentlich sogar vier:

  1. „du“ (dü), was eigentlich aus „de le“ zusammengesetzt ist.
  2. „de l'“ mit Apostroph, eigentlich „de la“, wird im Gegensatz zu „de le“ aber nicht durch eine eigene „Kurzversion“ ersetzt, dafür mit Apostroph an das nächste Wort angebunden, falls es mit einem Vokal beginnt.

Französische Texte sind länger als englische

Man kann es sich auch kompliziert machen. Das führt dann auch dazu, dass z.B. französische Texte ca. 30% länger sind als englische, wenn sie mit minimalen, aber grammatikalisch korrekten Mitteln, die gleiche Informations-Menge übermitteln sollen. Deutsch liegt da irgendwo dazwischen.

Ich habe natürlich keine Statistik gemacht, die der wissenschaftlichen Methode auch nur im Entferntesten gerecht würde. Aber ich habe relativ viel mit französischen, englischen und deutschen Texten zu tun, die das Gleiche beschreiben. Seien es Romane, Sachbücher oder Betriebsanleitungen. Englisch ist nach meiner Erfahrung damit sehr – nunja – „concise“, im Sinne von „knapp und präzise“, Deutsch ist man gewohnt, es mutet deshalb als „idealer“ Mittelweg an, wohingegen Französisch in Schrift dem Uneingeweihten unglaublich „geschwätzig“ vorkommen muss. Voller Wiederholungen (der Füllsel) und mit einem irgendwie auf Links gedrehten Fluss der Information bei Wörtern, die zusammen gesetzt sind (vs. „Informationsfluss zusammen gesetzter Wörter“).

Es gibt noch mehr Beispiele, irgendwie erinnert mich das an Motorola / Rest der Welt vs. Intel mit ihrem bescheuerten Little/Big-Endian Zwist. Ok, eigentlich ist nur Intel in der Beziehung bescheuert. Ich vermute, da war beim 8086 schon jemand beim Routen der Datenleitungen zur Register-Adressier-Logik besoffen und hat ein paar Leitungen vertauscht. Und der „Kompatibilität“ halber wurde das dann bis heute beibehalten.

Aber ich bin abgeschwiffen … wo war ich? Achja, Französisch. Und Englisch.

UTC – eine salomonische Entscheidung

Eine schöne Geschichte rankt sich um die Entstehung der Abkürzung (in diesem Fall ist es leider kein Akronym geworden) für die koordinierte Weltzeit, UTC (Universal Time Coordinated). Der englischsprachige Teil der Welt, also alle ausser dem französischsprachigen Teil, hätte das gerne CUT genannt, aus dem offensichtlichen Grund, dass „Coordinated Universal Time“ halt wesentlich unbescheuerter klingt als UTC. Und die Franzosen so?

Wäre es nach denen gegangen, hätte dieser Standard TUC heissen müssen: Temps Universel Coordonné (sic!). Man stelle sich das mal vor: Tück (TUC) statt Katt (CUT)! Aber immerhin wären beides „sprechbare“ Akronyme gewesen, im Gegensatz zu UTC, welches man zwangsläufig ausbuchstabieren muss.

Man hat also einen Kompromiss gefunden, den ich sehr salomonisch finde: Keiner bekommt „seinen“ ersten Anfangsbuchstaben (C oder T), sondern es wird der aus der Mitte genommen, das U. Dann bekommt Frankreich seinen Willen und der 2. Buchstabe ist der erste der französischen Version, erst als dritter Buchstabe wird dann der erste der englischen Variante genommen. Zum Ausgleich für diese Bevorzugung sind die ersten beiden Buchstaben (U und T) direkt auf Englisch sinnvoll. Universal Time halt. Für die f Franzosen ist das – wie wir hier sagen – hennerscht der verrerscht.

(inspired by einem Artikel auf Astrodicticum Simplex, wo er die UTC-Geschichte mal erzählt hat; ich finde sie aber gerade nicht)

Der €uro

Ein ähnlich salami salomonischer Kompromiss hat sich anfangs bei der Benennung der neu zu druckenden, gemeinsamen europäischen Währung herauskristallisiert: inoffiziell hieß diese Währung eigentlich schon immer ECU; gesprochen á à la Französisch „Ekü“, aber ein Akronym aus dem Englischen – nämlich „European Currency Unit“ (europäische Währungseinheit). Ergo hätten beide Kontrahenden ihren Spaß gehabt. Schade nur, dass dann irgendwann irgendwer meinte, das würde dann ja überall unterschiedlich ausgesprochen und die „landessprachlichen“ Abkürzungen hätten auch alle nicht viel miteinander gemeinsam (EWH wir, ECU die Tommys, UCE die Franzosen, …).

Hätte man alle Varianten auf die Scheine drucken wollen, wären die etwas unhandlich geworden …

Was machen die (offensichtlich schon damals) unterbelichteten und überbezahlten Eurokraten für einen faulen Kompromiss daraus: den Euro. Heisst zwar überhall gleich, wird aber in mittlerweile drei Varianten (lateinische, griechische und kyrillische Buchstaben) geschrieben. Und in noch viel mehr Varianten ausgesprochen:

  1. Deutsch: Oi-ro
  2. Englisch: Ju-ro
  3. Französisch: Ö-ro (das ist übrigens so unglaublich nah an Øre, dass ich fast kichern muss)
  4. Italienisch / Spanisch: E-urro
  5. Baltisch (nennt man die Sprache/n, die in Richtung Russland gesprochen werden so?): Jew-ro
  6. Griechisch kann ich nicht.
  7. usw.

Und die EZB steht auch (schon 2002) in 5 Varianten drauf.

Wobei da wieder die unterschiedlichen Schreibweisen der französischen (um die auch mal als Erste zu nennen) und englischen Variante auffällt: „Banque Centrale Européenne“ (BCE) vs. „European Central Bank“ (ECB/EZB).

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  1. Die unheimliche Dichte der englischen Sprache | Y371

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