Archiv für die Kategorie Medizin und Ethik

Homöopathie


Ich habe einen Arbeitskollegen, ansonsten ein recht rationaler Mensch – zwei (2!) Meisterbriefe (Schlosser, Elektroniker), etwa in meinem Alter. Allerdings ist er in meiner Arbeitsumgebung (6 Leute) der einzige, der noch in der Kirche ist. Weil er meint, die würde so viel Gutes tun.

Jetzt habe ich bemerkt, dass er bei seinen Gicht-Attacken Arnika D30 nimmt.

D30. Das bedeutet, die sogenannte „Urtinktur“ wird 30-mal um den Faktor 10 verdünnt. Das macht im Endeffekt einen Faktor 10^-30.

Das ist – und zwar auch im Geiste der Homöopathie – gleich doppelt absurd.

Arnika ist ein Extrakt aus einer Pflanze. Man kann diese Pflanze tatsächlich „naturheilkundlich“ zu verschiedenen Zwecken einsetzen, auch zur lokalen Schmerzlinderung. Also müsste nach dem Prinzip der Homöopathie Arnika in dieser Verdünnung („Potenzierung“) unglaubliche Schmerzen verursachen. Deswegen wird in der Homöopathie ja auch z.B. Brechnuss gegen Brechreiz und Übelkeit eingesetzt. Also ist Arnika gegen Schmerzen schonmal grundfalsch. Im Sinne der Homöopathie. Trotzdem wird Arnika D30 als Mittel gegen Gelenkschmerzen verkauft und ist apothekenpflichtig.

Nun zur sogenannten „Potenzierung“.

Das Ausgangsmittel (nehmen wir der Einfachheit halber einfach an, es wäre 100%-Arnika, was auch immer das sein soll) wird in 30 Schritten jedesmal mit destilliertem Wasser (sagen wir 10^-9 Verunreinigungen drin, also weniger als 1 pbb, Parts per Billion, Teile pro Milliarde, und das ist schon sehr teuer) um den Faktor 10 verdünnt. Dann geschüttelt, nicht gerührt. Dann die Nächste Verdünnung.

Also ist man ca. beim neunten Verdünnungsschritt mit der Ausgangssubstanz genauso weit wie mit den vorher vorhandenen Verunreinigungen im (hoffentlich) entionisierten Wasser. Und die ganzen (kaum vorhandenen) Verunreinigungen hat man ja die ganze Zeit mit potenziert.

Danach komman dann nochmal 20-21 „Potenzierungs“-Verdünnungs-Verklopfungs-Schritte.

Das heißt: man hat die ganzen (sämtliche) Verunreinigungen des hoffentlich nicht Leitungswasser gewesenen Verdünnungsmittel 20 bis 21 Mal mit potenziert.

Und nimmt die als D20 gleich mit.

Und das soll (im Sinne der Homöopathie) noch gegen Schmerzen helfen? Wenn ich an Homöopathie glauben würde, würde ich eher sagen, „das bringt einen wohl ganz schnell um“.

Das ist alles so absurd, ich verstehe nicht, warum Menschen solche Mittel kaufen.

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Hörgerät ausprobiert


Meine Mum bekommt gerade ihre Hörgeräte (sie probiert verschiedene aus) eingemessen und anatomisch angepasst. Es hat sich herausgestellt, dass sie auf einem Ohr nur noch 15% und auf dem anderen knapp 50% – äh, heißt das so? – Hörkraft hatte.

Akut wurde das Problem aber erst, als sie den Lautstärkeregler ihres TVs an den Anschlag (110, auch geil) gebracht hat.

Während ihre Welt „lauter“ geworden ist (Vogelzwitschern, das Ticken der Küchenuhr, Motorgeräusche beim Autofahren, die Dudelmucke im Supermarkt), ist meine leiser geworden. Ich kriege nicht mehr mit, was gerade im TV läuft (sie wohnt über mir), sie läuft leiser, sie redet leiser und macht ihre Türen leiser zu, der Fernseher steht auf unter 50. Und ich muss selbst nicht mehr so laut reden, wenn wir uns unterhalten.

Heute morgen beim gemeinsamen Kaffee bin ich auf die Idee gekommen, mit selbst mal eins der Teile in’s Ohr zu stecken. Ich selbst habe noch ziemlich gute Ohren für mein Alter (knapp 50), aber auch für mich ging eine neue Welt auf. Ich hatte plötzlich das Gefühl, die Flöhe husten zu hören. Aber nicht unangenehm laut (ich hatte mir das von dem 50%-Ohr genommen), sondern einfach unglaublich klar und „crisp“.

Was mir, als normal-hörigem allerdings sofort aufgefallen ist, war die Verzögerung zwischen dem „echten“ Geräusch und dem verstärkten. Die Küchenuhr tickt einmal die Sekunde und es hörte sich an wie „Tick-ick, tick-ick, …“. Das waren mindestens 200 ms „time-lag“. Wenn man aber „ohne“ eh nichts mehr hört (oder kaum noch was), fällt das natürlich nicht auf.

Für mich als Signalverarbeiter (Softwareentwickler) deutet das eindeutig auf eine gehörige(sic!) Portion digitale Signalverarbeitung hin, die in den knapp 1,5 cm³ des Geräts stattfindet. Und die Batterien halten zwei Wochen bei 12/7 Dauergebrauch.

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Jane Goodall, DBE, mal wieder


Und Wounda. Wounda ist ein Schimpanse (Schimpansin?). „Wounda“ bedeutet in der entsprechenden afrikanischen Sprache „dem Tod nahe“. Sie wurde nach dem Gesundpflegen in Jane’s Institut (Stiftung) in die Freiheit auf einer Insel entlassen, das kann man in dem folgenden Video sehen. Man kann auch sehen, wie krank er/sie war (ich bringe es nicht über’s Herz, hier von „Tier“ zu reden).

Das Freilassen auf der Insel ist herzzerreißend.

Ich habe mich in diese Dame (Jane, nicht Wounda) unsterblich verliebt, als ich noch ein „kleiner Junge“ war. Diese Frau ist 33 Jahre älter als ich, würde ich ihr jemals begegnen, ich würde um ihre Hand anhalten.

Hier ein Video, wo sie den als fast toten Schimpansen aufgelesenen nach der Gesundung in die Freiheit entlassen.

Ohne weitere Worte (ab ca. 2:20 oder so die Taschentücher bereithalten und am besten den Ton ganz abstellen, die Musik ist unnötig):

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Kleine, wichtige Rituale


Ich schrob ja schon, dass Simba am Samstag eingegangen ist.

Das hat mich für drei vier Tage ziemlich aus der Bahn geworfen. Hätte ich nicht gedacht. Mir war klar, dass ich mir schreckliche Sorgen mache, wenn ihm was fehlt, er Schmerzen hat oder sonstwie krank ist. Aber nicht, dass ich vier Tage goar glatt nix auf die Kette kriege!

Gestern Nachmittag habe ich ihn steifgefroren im „Leichensack“ in einer geschlossenen Pappschachtel angemessener Größe aus der Tierklinik abgeholt. Ich hatte mir vorgenommen, erst zuhause den Karton zu öffnen und ihn mir anzusehen. Dann habe ich das Loch im Garten (uff, gute 35 Jahre Pflanzenbewuchs incl. Tanne macht ganz schön Arbeit, wenn man da ein 50 cm tiefes Loch reingraben will). Dank der tatkräftigen Unterstützung der besten Mutter, die ich je hatte (sie kam mit einem Spaten dazu und hat, glaube ich, mehr gegraben als ich), hatten wir das Ritual des Vergrabens nach einer halben Stunde erledigt. Das Loch wieder zugeschaufelt, festgekloppt und eine kleine Betonplatte drauf, damit er nicht direkt wieder von irgendwelchen anderen Viechern ausgegraben wird.

Dann habe ich ihn aus der Schachtel geholt und aus der Plastiktüte ausgewickelt. Ich habe Gott-weiß-was für ein Elend erwartet, das mich dann anblickt. Was ich gesehen habe, hat mir das Herz übergehen lassen (man merkt an meinem Geschwurbel, wie nahe mir das geht …). Er sah aus, als wäre er am Schlafen. Abgesehen davon, dass er knochenhart gefroren war, sah er aus, wie ein zehnjähriger Kater halt aussieht, wenn er schläft. Augen zu, keine Panik im Gesicht, halb in sich selbst eingerollt.

Ich glaube nicht, dass er mit dem Gesichtsausdruck und der Körperhaltung gestorben ist. Vielen, vielen Dank an die erfahrenen Tierärzte, die mir den wirklich letzten Abschied von ihm viel leichter gemacht haben, weil er so friedlich aussah.

Und auch Danke an die behandelnde Tierärztin, die mich am frühen Samstag Morgen in den Arm genommen hat, während sie mir erklärte, dass er das sehr wahrscheinlich nicht überleben wird. Und wenn, dann nur querschnittsgelähmt. Ich habe in meinem ganzen Leben noch nicht derartig Rotz und Wasser geflennt. Ich war tatsächlich regelrecht verzweifelt.

DAS ist, glaube ich, vorbei. Natürlich trauere ich immer noch und vermisse ihn ganz schrecklich, aber das Leben kann endlich weiter gehen …

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Lungenkrebs – Update


Ich habe ja hier schon erzählt, dass meine Nachbarin an Lungenkrebs erkrankt ist / diagnostiziert  wurde.

Weil sie noch keine Metastasen gefunden hatten, wollte sie sich auf eine Chemotherapie einlassen. Sie hat jetzt vier Behandlungen hinter sich und es geht ihr derartig dreckig, dass sie – wie angekündigt – die Therapie abbricht. Die gängige Prognose bei Lungenkrebs ohne Therapie ist ca. 0,x Jahre. Mit Therapie sind es vielleicht 2 · 0,x Jahre. x < 5

Nur um vielleicht ein halbes bis drei viertel Jahr länger zu leben tu‘ ich mir das nicht länger an.

Ich vermute, wenn es ihr wieder besser geht, weil die „Nebenwirkungen“ der Chemo nachlassen, wird sie erst mal in Urlaub fahren / fliegen / whatever. Und danach wird halt – irgendwann, hoffentlich mit angemessener palliativer Unterstützung – „gestorben“. Wenn es nicht so ein negativ besetzter Begriff wäre, würde ich sagen, sie ist lebensmüde. Und ich hoffe, es wird ihr so geholfen, wie SIE das möchte, nicht wie irgendwelche Kleriker oder Ärzte sich das händereibend vorstellen.

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Lungenkrebs


Nein, nicht ich. Noch nicht. Ich bin da aber realistisch. Es würde mich nicht überraschen, wenn es auch mich noch zu Lebzeiten erwischt …

Eine Bekannte (73) meiner Mum (70) hat ihr jetzt erzählt, dass sie Lungenkrebs hat. Schluck. Sie, die Bekannte, muss total ruhig und gefasst gewesen sein. „Ich habe mein Leben gehabt, ich bin alt genug“ und so. Sie will eine Chemotherapie (6 Behandlungen) ausprobieren, weil die Prognose recht positiv ist. Noch keine Metastasen. Wenn die nicht wirklich hilft oder die Nebenwirkungen nicht auszuhalten sind, „wird halt gestorben, da habe ich keine Angst vor“. Es ist aber nicht so, dass sie keine Lust mehr auf Leben hat. Sie hat sich nur damit abgefunden, dass, wenn es nicht mehr geht, es halt zuende ist. Ganz einfach.

Wow!

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Ein Kommentar

Kiffen ist koscher!


Sagt zumindest Yosef Needleman alias „Yosef Leib ibn Mordachaya“.

Und er muss es wissen, denn er hat in der Tora und anderen Schriften nachgeschaut und kommt zu einem für mich sehr vernünftig klingenden Schluss:

Ihr Buch ist also kein Plädoyer für den Cannabiskonsum?

Nein. Kiffen kann Menschen von ihren wahren Bedürfnissen und Verantwortlichkeiten entfremden. Das ist die Gefahr dabei. Anders als Alkohol verursacht Cannabis auch keine innere seelische Wärme. Aber: Es ist von allen Drogen die am wenigsten gefährliche. Und diejenigen, die damit verantwortungsvoll umgehen, wissen um die Kraft der Droge und ihre eigenen Grenzen.

Dazu kann ich nur sagen: Amen, oder halt das jüdische Äquivalent dazu!

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